Die Rolle von Wäldern in den internationalen Klimaverhandlungen

Liebe Freund:innen und Unterstützer:innen von WALD LUFT ATMEN,

aktuell findet im brasilianischen Belem zum 30. Mal die Weltklimakonferenz (COP 30) statt.

Es gibt viel zu tun: die bisher angekündigten CO2-Minderungsmaßnahmen sind nicht ausreichend, sie werden die globale Durchschnittstemperatur immer noch um 2,8 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau ansteigen lassen. Der Erhalt unserer Lebensgrundlagen ist aber nur möglich, wenn wir deutlich unter der Marke von 2 Grad bleiben.

Wälder spielen für den Klimaschutz eine große Rolle. Wie diese aussieht und wie sie im internationalen Verhandlungspoker zum Tragen kommt, möchte ich hier für Wald Luft Atmen kurz skizzieren.

Die Systematik, nach der gemessen wird, wo wieviel CO2 emittiert wird und wie man dies wirksam reduzieren kann, beruht auf einer Betrachtung nach Sektoren: Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft – und dem sogenannten LULUCF-Sektor. Diese Abkürzung steht für Land Use, Land Use Change, and Forestry – d.h. man fasst hier die Klimawirkung von Böden, veränderter Bodennutzung sowie Wäldern kurzerhand zusammen.

Wenn man an die Wälder denkt, ist dieser Sektor eigentlich ein Hoffnungsträger – sollte man meinen. Jedoch: während Wälder in gesundem Zustand viel CO2 binden, können Böden, insbesondere wenn ihre Nutzungsart durch den Menschen verändert wird, zu einer sehr problematischen Quelle von CO2 werden. Zum Beispiel ist dies der Fall, wenn Moore trocken gelegt werden. Leider weiß kaum jemand, dass Torfboden enorme Mengen CO2 freisetzt, sobald er mit Luft in Berührung kommt. Allein in Deutschland werden pro Hektar entwässerter Moorfläche jedes Jahr 40 Tonnen CO2 emittiert. Die Gesamtmenge übersteigt das, was die Wälder an CO2 binden können – die Bilanz des deutschen LULUCF-Sektors ist also negativ.

Auf der COP 30 geht es, neben dem zähen Ringen um einen rascheren Wandel hin zu erneuerbaren Energien und einer CO2-neutralen Wirtschaft, dieses Jahr verstärkt um die Rolle von Wäldern. Wie oben gesagt: die Zusagen zur CO2-Vermeidung in den meisten Sektoren reichen noch längst nicht aus, politische Kompromisse der Staats- und Regierungschefs sind nur mit vielen Zugeständnissen erzielbar. Die EU etwa hat sich letzte Woche nur mit Mühe auf ein gemeinsames Ziel der CO2-Reduktion bis 2040 verständigen können, und dies nur mithilfe eines Tricks: bis zu 5% der Emissionsminderung sollen nicht zu Hause erbracht werden müssen. Anstatt in Europa zu investieren sollen Zertifikate von Drittstaaten gekauft werden – etwa zum Schutz tropischer Regenwälder. Befürworter dieser Idee argumentieren, dies sei billiger als die gleiche Minderung mit neuer Technologie in Europa zu erzielen – und Regenwaldschutz an sich klingt ja nicht schlecht. Kritiker monieren jedoch, dass mit heutigen Mitteln nicht wirksam überprüfbar ist, ob die finanzierte Menge Regenwald tatsächlich geschützt wird und damit ihre Klimafunktion erhalten bleibt – das ganze könnte eine teure Mogelpackung werden.

Eine weitere, grundsätzlichere Problematik ist, die Klimaminderung von Wäldern strukturell zu überschätzen. Ja: ein gesunder Wald ist sehr vorteilhaft für das Klima – aber ein (infolge des Klimawandels!) bereits durch Trockenheit etc. geschädigter Wald kann erheblich weniger CO2 aufnehmen als in den Projektionen zugrunde gelegt ist.

Sprich: durch diese Lückenfüller-Taktik laufen wir erstens Gefahr, dass wir die für unsere Lebensgrundlagen essenzielle CO2 Reduktion nicht erreichen. Zweitens wird dadurch das Überleben von Wäldern immer weiter erschwert, etwa durch noch mehr Hitzestress und Wetterextreme – ein fataler Kreislauf.

Das alles klingt – zugegeben – alles andere als ermutigend. Die Frage ist: was kann man tun, auch wenn man nicht am Verhandlungstisch sitzt?

Ein paar Ideen:

1) Die COP 30 in den Medien verfolgen und sich über dieses – oft komplexe – Thema möglichst gut und aus seriösen Quellen informieren

2) durch Nutzung erneuerbarer Energien, Vermeidung unnötigen Energieverbrauchs, nachhaltige Lebensweise etc. das Klima schonen

3) zum Waldschutz etwas beitragen – die Bäume bei Wald Luft Atmen gibt es wirklich, sie bekommen genug Zeit zum Wachsen und entsprechend CO2 zu binden. Sie werden unter fachkundiger Anleitung gepflanzt und gepflegt, und sie stehen nicht auf entwässerten Mooren.

In diesem Sinne: bleiben Sie interessiert, und bis zum nächsten Mal!

Ihr Daniel Becker