Jeder Baum zählt. Aber nicht jeder gepflanzte Baum wird ein Wald.
83,5 Millionen Menschen leben in Deutschland. 83,5 Millionen neu gepflanzte Bäume klingen nach einer gewaltigen Zahl.
Dr. Thomas Riedel vom Thünen-Institut hat nachgerechnet: Es wären rund 16.000 Hektar. Eine Fläche etwa so groß wie Jena oder Gera.
Gemessen am deutschen Wald mit seinen 11,4 Millionen Hektar und rund 90 Milliarden Bäumen sind das gerade einmal 0,1 Prozent.
Heißt das, Bäume pflanzen bringt nichts?
Im Gegenteil.
Es zeigt, dass wir größer denken müssen. Und länger.
Denn ein Baum bindet erst dann nennenswert Kohlendioxid, wenn er mindestens zehn Jahre übersteht. Viele schaffen das nicht. Sie gehen an Krankheiten ein, werden verbissen, überstehen Trockenperioden nicht oder fallen Stürmen zum Opfer.
Ein Baum ist kein Projekt. Ein Wald ist ein Versprechen.
Er braucht den richtigen Standort. Die richtigen Baumarten. Pflege über viele Jahre. Und Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Der Meteorologe Dr. Thomas Grünwald von der TU Dresden bringt es auf einen Satz:
Aufforstung bedeutet heute nämlich auch Waldumbau.
Genau darin liegt unsere Arbeit.
Wir pflanzen bei Wald Luft Atmen nicht einfach Bäume. Gemeinsam mit dem Landesforst MV entsteht auf Rügen ein widerstandsfähiger Mischwald aus Eichen, Lärchen, Edelkastanien, Douglasien und Küstentannen. Standortgerecht ausgewählt. Fachlich begleitet. Über Jahrzehnte gedacht.
Vielleicht stellen wir also die falsche Frage.
Nicht: „Wer pflanzt einen Baum?“ Sondern: „Wer sorgt dafür, dass daraus ein Wald wird?“
Warum diese Nachricht wichtig ist
Zahlen wie 0,1 Prozent können entmutigen. Sie sollen es nicht.
Derselbe Wissenschaftler, der vor zu großen Erwartungen warnt, sagt auch: Aufforstung ist jetzt wichtig - und dabei zählt jeder Baum.
Nicht die Anzahl der gepflanzten Bäume entscheidet.
Sondern die Anzahl der Bäume, die auch in fünfzig oder hundert Jahren noch leben.
Wo Hoffnung wächst, berichten wir darüber.
Quelle: MDR Wissen, „Wenn jeder einen Baum pflanzt“, Anne Sailer, Stand 24.06.2026



