Von der Genehmigung zum Wald: 60.000 Bäume auf Rügen
Ausgangssituation
Die Vision war klar: Auf Rügen sollte ein neuer, widerstandsfähiger Wald entstehen.
Die Realität war komplexer.
Die Flächen mussten wissenschaftlich bewertet, Genehmigungen eingeholt und die Bedürfnisse von Natur, Wildtieren und jungen Bäumen miteinander in Einklang gebracht werden. Besonders das Rotwild stellte die Planer vor eine Herausforderung: Die jungen Setzlinge brauchten Schutz, die Tiere gleichzeitig ihre gewohnten Wanderwege.
Lösung
Gemeinsam mit den Förstern vor Ort wurde eine ungewöhnliche, aber nachhaltige Lösung entwickelt.
Anstatt die gesamte Fläche einzuzäunen und die Wildwechsel zu unterbrechen, wurden zwei getrennte Schutzbereiche angelegt. Dazwischen entstand ein Korridor, der dem Rotwild weiterhin die gewohnten Wanderbewegungen ermöglicht.
So wurden gleich zwei Ziele erreicht: Die jungen Bäume erhielten den notwendigen Schutz in den ersten Jahren ihres Wachstums, während die natürlichen Bewegungsräume der Tiere erhalten blieben.
Eine Lösung, die nicht gegen die Natur arbeitet, sondern mit ihr.
Anschließend wurden standortgerecht ausgewählte Baumarten gepflanzt, darunter Eichen, Lärchen, Edelkastanien, Douglasien und Küstentannen.
Ergebnis
Heute sind 60.000 Bäume erfolgreich in der Erde.
Was auf einer Karte wie zwei Pflanzflächen aussieht, erzählt bei genauerem Hinsehen eine größere Geschichte. Die beiden Zäune stehen sinnbildlich für eine Herausforderung, die gelöst wurde: Waldschutz und Artenschutz mussten kein Widerspruch sein.
Die größte Leistung bestand deshalb nicht im Pflanzen der Bäume.
Sie bestand darin, eine Lösung zu finden, die dem Wald eine Zukunft gibt, ohne den Lebensraum seiner Bewohner einzuschränken.
Genau das ist gelungen.
Aus einer Idee wurden 60.000 Bäume. Aus 60.000 Bäumen wird ein Wald.
Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende.
Die Genehmigung für insgesamt 100.000 Bäume liegt vor. Die ersten 60.000 wachsen bereits. Nun sollen weitere 40.000 folgen.
40.000 Bäume, die eines Tages Schatten spenden werden für Menschen, die wir heute noch gar nicht kennen. 40.000 Bäume, die Wasser speichern, Lebensräume schaffen und Zukunft wachsen lassen.
Die Frage ist nicht, ob dieser Wald entsteht. Die Frage ist nur, wie viele Menschen später sagen werden: „Ich habe geholfen, ihn wachsen zu lassen.“
Eines Tages wird niemand mehr sehen, wo die Zäune standen. Man wird nur noch den Wald sehen.
Und vielleicht ist genau das die schönste Definition von Nachhaltigkeit: Etwas zu schaffen, das bleibt, wenn die eigenen Fußspuren schon ganz woanders sind.



